Das Internationales Architektur-Forum 2002 war ein Erfolg für Stuttgart!

Fast auf den Tag 75 Jahre nach der Fertigstellung der Weissenhofsiedlung und der Eröffnung der Bauausstellung des Deutschen Werkbunds 1927 luden die Landeshauptstadt Stuttgart und die Wüstenrot Stiftung zu einem Internationalen Architektur-Forum ein. Dieses Jubiläum eines der wichtigsten Baudenkmale der Architektur-Moderne bildete den Anlass für die Auseinandersetzung mit Wurzeln, Visionen und Entwicklungslinien der modernen Architektur.

635 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zu dieser Veranstaltung nach Stuttgart, darunter Gäste aus ganz Deutschland, aber auch aus der ganzen Welt von Tokio bis Rio de Janeiro. Damit wurde diese Veranstaltung, die als Vorkonferenz in den XXI. Architektur-Weltkongress in Berlin integriert war, zu einem internationalen Treffpunkt für Architektur-Interessierte. Drei Tage lang, vom 19. bis 21. Juli 2002, boten Beiträge internationaler Referenten sowie Rahmenveranstaltungen ein umfangreiches und dichtes Programm. Die Architekturkritikerin Amba Sayah sprach in ihrem Bericht in der Stuttgarter Zeitung von einer "so konzentrierten wie konzisen Tagung" und gab damit eine treffende Charakterisierung zu Inhalt und Atmosphäre.

In der Begrüßung durch Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster, Dr. Wolfgang Bollacher, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Stiftung sowie Prof. Rainer Zinsmeister, Stuttgart, wurde die Verpflichtung hervorgehoben, das Erbe der Moderne zu bewahren und Erfahrungen für die Lösung heutiger städtebaulicher Herausforderungen nutzbar zu machen.

Das architektonische Erbe der Moderne - Ideen, Erfahrungen, Tendenzen

Der erste Veranstaltungstag näherte sich dem architektonischen Erbe der Moderne und der architekturgeschichtlichen Rolle der Weissenhofsiedlung aus verschiedenen Blickwinkeln. Jean-Louis Cohen, Paris, zeichnete den Aufbruch in die Moderne um 1925 in verschiedenen Ländern nach. Karin Kirsch, Stuttgart, stellte Traditionalismus und Moderne in Stuttgart gegenüber. Norbert Huse, München, berichtete über das noch junge Gebiet der Denkmalpflege für epochemachende Bauten der modernen Architektur.

Ein zweiter Vortragszyklus widmete sich Erfahrungen heutiger Architekten und ihren Biographien und Rezeptionen der modernen Architektur. Zunächst gab Werner Durth, Darmstadt, einen Überblick über Tendenzen in der Moderne und verdeutlichte unterschiedliche Positionen. Die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg wurde erlebbar gemacht durch persönlich gefärbte Beiträge von Günter Behnisch, Stuttgart, Dietmar Eberle, Zürich und Matthias Sauerbruch, Berlin. Einen Kontrapunkt setzte Paul Kahlfeldt, Berlin.

In einer parallelen Veranstaltung wurde der aktuelle Sachstand beim Denkmalschutz für Bauten der Moderne behandelt. Dazu wurden in vier Werkberichten von Helge Pitz, Berlin, Simone Hain, Hamburg, Winfried Brenne, Berlin, Joris Molenaar, Delft und Bertholt Burkhardt, Braunschweig die Instandsetzung herausragender Baudenkmäler der Moderne behandelt : der Einstein-Turm in Potsdam (Mendelsohn), das Haus Tugendhat in Brünn (Mies van der Rohe), das Muche/Schlemmer-Meisterhaus in Dessau (Gropius) und das Haus Sonneveld in Rotterdam (Brinkmann/Van der Vlugt).

Zukunft der Stadt - Herausforderungen und Chancen

Am zweiten Tag stand die städtebauliche Dimension der Moderne im Mittelpunkt. Ausgehend von der Kritik an der ungesunden Großstadt des 19. Jahrhunderts wurden von Franz Pesch, Stuttgart, Siedlungsmodelle der zwanziger Jahre kritisch hinterfragt und auf ihre Tauglichkeit für die Stadt im 21. Jahrhundert geprüft. Kees Christiaanse, Rotterdam, stellte neue Konzepte verdichteter Urbanität aus den Niederlanden vor und Marc Angélil, Zürich/Los Angeles, befasste sich mit der urbanen Entropie in rhizomhaft wuchernden Großstadtstrukturen. Für den erkrankten Oriol Bohigas, Barcelona, konnte kurzfristig als "Überraschungsgast" Jury P. Volchok, Moskau, gewonnen werden, der über Moskauer Avantgarde-Architektur und die Probleme ihrer Erhaltung referierte. Vertieft wurden die Fachvorträge in Diskussionsrunden, moderiert von Hanno Rauterberg, Hamburg, Ira Mazzoni, München und Peter Conradi, Stuttgart.

Fachexkursionen und Rahmenprogramm

Der dritte Tag bot die Gelegenheit, in fünf Fachexkursionen das Baugeschehen in Baden-Württemberg kennen zu lernen. Exkursion 1 hatte das Werk von Günter Behnisch im Raum Stuttgart zum Thema. Exkursion 2 stellte mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie ZKM in Karlsruhe und der europäischen Medien- und Event-Akademie in Baden-Baden neue Technologien im Spannungsfeld zu umgenutzten Bestandsbauten vor. Exkursion 3 galt den großflächigen Konversionen auf ehemaligen Militärflächen in Ostfildern und Tübingen. Exkursion 4 hatte bedeutende Ingenieurbauten und Innovationen im Leichtbau zum Thema. Exkursion 5 letztlich widmete sich mit einer Rundfahrt zu Aussichtspunkten um den Stuttgarter Kesselrand der besonderen Topographie des Tagungsorts.

Dieses fachliche Programm war eingebettet in eine Reihe von Rahmenveranstaltungen. Am 18. Juli 2002 wurde mit großem öffentlichen Interesse eine Ausstellung zur Weissenhofsiedlung in der Galerie der Stadt Stuttgart eröffnet. Sie war bis zum 6. Oktober 2002 zu sehen und bildete die erste große Präsentation der Weissenhofsiedlung in Stuttgart für ein breites Publikum. Am 19. Oktober 2002 konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses im Rahmen eines Empfangs das gesamte, kurz vor der Fertigstellung stehende Gebäudeensemble von James Stirling und Michael Wilford besichtigen. Neben dem fertiggestellten Teil mit Neuer Staatsgalerie und 1. Bauabschnitt der Musikhochschule waren Baustellenbesuche im 2. Bauabschnitt der Musikhochschule, im Haus der Geschichte (Wilford/Schupp Architekten) sowie im Erweiterungsbau der Alten Staatsgalerie (Steib Architekten) möglich. Das gesellige Fest der Architektenkammer Baden-Württemberg im Zeppelin-Carré, einem richtungsweisenden Stadterneuerungsprojekt beim Hauptbahnhof, rundete das Kongressprogramm ab.

 
 

Veranstalter


   

Landeshauptstadt Stuttgart
Gesamtkoordination Stadtplanungsamt

Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg
Verantwortlich für das Fachprogramm am 19. Juli 2002

 
 

Unterstützung


   

Landesregierung Baden-Württemberg
Architektenkammer Baden-Württemberg
Bund Deutscher Architekten BDA, Landesverband B.-W.
Bund Deutscher Landschaftsarchitekten BDLA,
Landesverband B.-W.
Ingenieurkammer Baden-Württemberg

 
 

Durchführung


   

Stuttgarter Messe- und Kongress GmbH